Deutsch-holländische Kooperationen in der Wehrtechnik haben eine lange Tradition. So entwickelten die betroffenen Industrien in beiden Ländern gemeinsam unter anderem für den Heeresbedarf den Pionierbergepanzer BÜFFEL und den Flakpanzer GEPARD. Auch das zukünftige gepanzerte Spähfahrzeug der Bundeswehr mit der Bezeichnung FENNEK (Wüstenfuchs) wird in deutsch-niederländischer Gemeinschaftsarbeit entwickelt und gebaut werden. Der FENNEK wird von deutscher Seite von dem Trandionsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen SP Aerospace & Vehicle Systems B.V. entwickelt.
Die ersten Überlegungen für ein neues leistungsfähiges und hoch geländegängiges gepanzertes Spähfahrzeug für die Panzeraufklärungstruppe sind schon Ende der achtziger Jahre beim Heer eingeleitet worden. Dort wurde die Ansicht vertreten, daß der bei der Panzeraufklärungstruppe verwendete Kampfpanzer LEOPARD 1 A5 für die zukünftigen Aufgabenstellungen einer Tiefenaufklärung im gegnerischen Raum nicht geeignet ist. Auch der bei der Bundeswehr seit den siebziger Jahren eingeführte und bei vielen Einsätzen bewährte leichte 8 x 8 Spähpanzer LUCHS sollte nach den Planungen des Heeres nach der Jahrtausendwende durch ein kleineres und hochmobiles gepanzertes Spähfahrzeug der neusten Generation ergänzt und später völlig ersetzt werden.
Forderungen
Die militär-taktisch-technischen Forderungen an ein neues gepanzertes Radspähfahrzeug wurden mehrmals während der Konzept und Entwicklungsphase an das Fahrzeug angepaßt. So sollte der FENNEK als leichtes, gepanzertes und allradfähiges Spähfahrzeug für drei Soldaten technisch ausgelegt sein. Der Innenraum des FENNEK´s sollte drei Soldaten ausreichend Platz bieten. Die Panzerfahrzeugbesatzung besteht aus einem Kommandanten, Fahrer und Funker/Beobachter einen die den Spähauftrag unter einem Panzer- und ABC-Schutz wahrnehmen sollen. Ferner sollte es mit dem deutsch-niederländischen Fahrzeugkonstruktion möglich sein, Spähtruppunternehmen von einer Dauer von und bis zu fünf Tagen bis zu einhundert Kilometern hinter den gegnerischen einzusetzten. Die Forderung nach einer hohen Mobilität und niedriger Bauweise sollte nach Ansicht der Beschaffernationen dem FENNEK eine große Überlebensmöglichkeit auf dem Gefechtsfeld gewährleisten.
Durch die Umstrukturierung der Bundeswehr muss im Bereich der Panzeraufklärungstruppe eine Ausrüstungslücke geschlossen werden. Das Fahrzeug soll die Panzeraufklärungstruppe in die Lage versetzen, bei Tag und bei eingeschränkter Sicht unter anderem folgende Aufgaben zu erfüllen:
· feindliche Bewegungen zu beobachten und Absichten zu erkennen;
· Verbindungen mit eigenen Kräften herzustellen und zu halten;
· im Feindesgebiet unabhängig bis zu fünf Tagen zu operieren.
Mitte 1993 fand erstmals ein Gespräch im BMVG zwischen den Vertretern der Niederlande und Deutschlands mit dem Ziel einer gemeinsamen Fahrzeugentwicklung statt. Wegen des höheren Bedarfs an Fahrzeugen (Ausgangssituation: 288 Fahrzeuge für NL, 166 für GE) wurde auf Staatssekretärsebene entschieden, dass die Niederlande in diesem Vorhaben die Pilotfunktion ausüben.
Die Ausschreibung über die Beschaffung von vier Truppenversuchsmustern (je zwei für NL und GE) führte zu einem Vertrag nach niederländischem Recht mit der niederländisch/deutschen Arbeitsgemeinschaft SP Aerospace & Vehicle systems/Firma Wegmann, der auch die Option auf die Serienfertigung enthält. Die Fahrzeuge wurden im Mai 1997 ausgeliefert. Die vier Fahrzeuge werden derzeit einer Truppenerprobung unterzogen
Die taktischen Überlegungen der gepanzerter Aufklärungsverbände gehen dabei von dem zeitgleichen Einsatz von zwei FENNEK-Fahrzeugen aus, die sich bei einem derartigen militärischen Auftrag ergänzen. Ein hohes Stauraumvolumen im FENNEK sollte aus Sicht der Bundeswehr und dem niederländischen Streitkräften die Mitführung von ausreichend Verpflegungsmitteln und für den Kampfauftrag notwendigen Grund- sowie Zusatzausrüstung ermöglichen. Ein weiterer Punkt des umfangreichen Forderungskataloges sollte die Luftverlastbarkeit des FENNEK´S in eine Transall C-160 und eine Herkules C-160 gewährleisten. Auch der Landtransport mit der Eisenbahn, Lastkraftwagen und dem Schiff nach den Standardbestimmungen der NATO mußten gewährleistet sein.
Ausschreibung
I
m Juni 1993 wurde durch das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) entschieden, daß es bei der Entwicklung einer neuen gepanzerten Spähfahrzeugversion um ein bilaterales Projekt handeln soll, da die holländische Armee ebenfalls Interesse an einer Beschaffung geäußert habe. Um den lukrativen Ausschreibungsauftrag des Bundesamtes für Wehrtechnik & Beschaffung (BWB) bewarben sich in der letzten Phase die Unternehmen Krauss Maffei Wehrtechnik aus München und das Kasseler Familienunternehmen Wegmann & Co zusammen mit dem holländischen Unternehmen SP DAF. Bei diesem letzten Ausschreibungswettbewerb um das Spähfahrzeug gewann die bi-nationale Verbindung von Wegmann und SP DAF. Im Dezember 1994 konnte zwischen dem Koblenzer BWB und dem deutsch-niederlänischen Industriekonsortium der Serienvertrag unterzeichnet werden. Dieser umfaßte unter anderem die Lieferung von jeweils 2 Truppenversuchsmustern für das holländische und deutsche Heer plus der Option der Serienlieferung von 386 Fahrzeugen. Davon entfielen bei der ursprünglichen Planung 166 für Deutschland und 220 für Holland. Der Gesamtbedarf war zum damaligen Zeitpunkt für die Bundeswehr 568 FENNEKS festgelegt worden. Zusätzlich sollten noch 90 Fahrzeuge für den Bedarf der Pioniertruppe erworben werden.
Motorleistung
Besonders herausragend ist die Motorleistung des FENNEK. Der 177 kW starke Dieselmotor von KHD ermöglicht dem FENNEK eine maximale Geschwindigkeit auf der Straße von rund 115 km/h unter der Einhaltung der strengen Euruo-Norm III. Der Kraftstoffverbrauch ist vom Hersteller mit rund 21,5 Liter auf 100 km angegeben. Die Reichweite des FENNEK´S auf der Straße liegt bei rund 860 km und bei reiner Geländefahrt bei 400 km. Ein vollautomatisches Schaltgetriebe des Augsburger Herstellers RENK AG und ein Verteilergetriebe mit zuschaltbaren Allradantrieb und sperrbarem Differenzial ergänzen das Antriebsaggregat des Fahrzeuges in sinnvoller Weise. Der Antrieb erfolgt über einen H-Antriebsstrang der eine sehr niedrige Bauweise ermöglicht auf Winkelgetriebe und von diesem über Radgetriebe auf die Räder. Das Fahrzeug kann mit der Motorleistung eine Steigung von 60 Prozent problemlos bewältigen. Schräglagen von 35 Prozent meistert der FENNEK ohne weiteres. Die Wattfähigkeit des FENNEK´S beträgt 1 Meter. Der Wendekreis ist mit 12, 6 Metern vom Hersteller angegeben. Um sich auf unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten während einer Aufklärungsmission einzustellen, kann der Fahrer des FENNEK´S auf eine Reifendruckregelungsanlage zurückgreifen.. Diese ermöglicht dem Fahrer den Reifendruck entsprechend der Bodenbeschaffenheit anzupassen. Um einer vorzeitigen akustischen Entdeckung zu entgehen ist der Motor stark schallgedämpft worden. Zur Zeit laufen noch technische Erprobungen, um diese Abkapsellungen noch weiter zu optimieren.
Fahrerposition

Besonderen Wert legten die deutsch-niederländischen Entwickler auf die optimale Gestaltung des Fahrerplatzes. Die Position des Fahrers ist mittig, genau über der Vorderachsenkonstruktion des Fahrzeugs zu finden. Über die schußsicheren Front- und Seitenscheiben kann der Fahrer einen Sichtbereich von über 180 Grad einsehen. Das in einem Winkelspiegelschaft einschiebbare Bild-Verstärker-Gerät (BIV) ermöglicht es dem Fahrer, das Fahrzeug auch bei Nacht sicher durch das gegnerische Gelände zu steuern, ohne auf verräterische Lichtquellen zurückgreifen zu müssen.
Das Bedien- und Anzeigenkonzept ist unter ergonomischen Gesichtpunkten entwickelt worden, sodaß alle Fahrzeugfunktionen leicht für den Fahrer, auch in Streßsituationen, zu bedienen sind. Zur Fahrsicherheit kann der Fahrer auf einen Rücksichtmonitor zurückgreifen, der mit einer am Heck befestigten Kamera verbunden ist. Dieser ermöglicht es, leichter das Fahrzeug nach hinten zu steuern. Der Rücksichtmonitor ist rechts neben dem Lenkrad auf dem Amaturenbrett montiert.
Sitzeinrichtungen
Die beiden Arbeitsplätze des Beobachters und des Kommandanten des FENNEK`S sind parallel zueinander angeordnet. Beide Positionen ermöglichen ein Beobachten über die beiden im Dach befindlichen Panzerluken. Hierzu kann der Sitz in der Höhe individuell verstellt werden. Der Sitz ist in beiden Richtungen um 360 drehbar. Über eine Schnellabsenkeinrichung kann sich der Soldat in wenigen Sekunden in den Kampfraum zurückfallen lassen. In Ruhe- oder Gefechtspausen besteht die Möglichkeit, unter dem hochgefahrenen Sitz eine Ruheposition einzunehmen.
Arbeitsplätze

Alle drei Besatzungsmitglieder arbeiten von ihren Sitzplatzpositionen aus. Von der Position des Beobachters/Funkers aus werden die ausfahrbare Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung (BAA) bedient. (Siehe Beitrag Zeiss Auflärungstechnologie für FENNEK) Die ausfahrbare Beobachtungsplattform mit integriertem Laserentfernungsmesser, Wärmebildkamera und CCD-Tageslichtkamera von Zeiss kann bis auf einer Höhe von 3,29 Metern individuell ausgefahren werden. Natürliche oder künstliche Deckungen kann die FENNEK-Besatzung ausnutzen, um aus einer getarnten Position Geländeabschnitte mit der Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung einsehen zu können. Das Aufklärungssystem ist allwetterfähig und arbeitet mit verschiedenen optischen Vergrößerungsmöglichkeiten. Über einen Steuerknüppel kann das Kamerasystem gesteuert und nach beiden Seiten um 360 Grad gedreht werden. Über einen Monitor kann der Beobachter die Aufklärungsbilder auswerten. Ein anderen Monitor mit angeschlossenen Navigations- und Kartensystem ist eine Übertragung der Aufklärungergebnisse auf Karten möglich. Über eine Hochfrequenz- und VHF-Funkanlage können diese an einen rückwärtigen Gefechtsstand schnell und abhörsicher übermittelt werden. Eine Einbindung des FENNEK´S in den Daten-Informations- und Führungsverbund Aufklärung (DIFA) ist über die Fahrzeug-Kommunikationsmittel (FaKoM) ohne technischen Mehraufwand möglich. Maßgeblich dazu bei tragen digitalisierte Landkarten bei, auf denen der eigene Standort, der eines aufgeklärten Zieles und die aktuelle Gefechtsfeldumgebung dargestellt ist. Eine permanente Aktualisierung dieser Angaben erfolgt mittels Datenfunkübertragung. Diese kann vom FENNEK zum Gefechtsstand oder in umgekehrter Reihenfolge geschehen. Zusätzlich ist die Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung des FENNEK mit einer hybriden Navigationsanlage und einem Global-Positioning-System (GPS) ausgerüstet, die eine Ermittlung des eigenen Standortes und der Nordrichtung mit hoher Genauigkeit ermitteln kann. Ferner ermöglicht der Laserentfernungsmesser, die Winkelmeßeinrichtung für Seiten- und Höhenwinkelmeßeinrichtung der Visierlinie der BAA unter der Einbeziehung der Navigationsanlage die Bestimmung der Standortkoordinaten von Zielen. Diese können dann, mit Hilfe des neu geschaffenen Artillerieverbundes, wirksam und schnell kurz nach der erfolgten Aufklärung bekämpft werden.
Absetzbarkeit
Ein weiterer Vorteil des ausfahrbaren BAA-Systems ist die Möglichkeit, diese von dem Telekop schnell abzumontieren und in einem abgesetzten Zustand bis zu 40 Meter vom Fahrzeug entfernt aufzustellen. Die Bedienung erfolgt mittels einer Fernsteuerung aus dem Fahrzeug - also unter Panzerschutz - oder über die abgenommene Bedieneinheit aus der Deckung heraus.
Panzerung und Schutz
Die Auslegung der Panzerung des FENNEK´S bietet einen wirkungsvollen Schutz gegen Infanteriemunition vom Kaliber 7,62 mm mit Hartkerneinlage. Ein adaptierbarer Rundumschutz erlaubt das Anbringen verschiedenartiger Schutzmaterialien , um unterschiedlichen Schutzansprüchen zu genügen. Ein wirkungsvoller Schutz besteht auch gegen die Explosionswirkung von Anti-Personenminen mit einer Gefechtsladung von bis zu 6 Kilogramm. Unterboden und Seitenteile des FENNEK´S sind entsprechend ausgestattet worden. Sämtliche Ausrüstungen wie Funkgeräte, Beobachtungsminitore und Zusatzausrüstung sind minensicher eingerüstet, sodaß die Fahrzeugbesatzung bei einem Minentreffer den größtmöglichen Schutz hat. Auch gegen Artilleriesplitter, in einer definierten Größe, ist die Besatzung des FENNEK´S geschützt.
Ein automatisch oder manuell auslösbare Feuerlösch- und Feuerwarnanlage im Triebwerksraum trägt ebenfalls zum Schutze der FENNEK-Besatzung bei.
Die ausgesprochen moderne und auch zukunftweisende Formgebung des deutsch-holländischen Spähfahrzeuges trägt maßgeblich zur Minimierung der Aufklärbarkeit mittels Infrarottechnologien bei. Gleiches gilt für die Abgasführung, die als einer der fortschrittlichsten im Spähfahrzeugbau gilt. Zum Schutze vor ABC-Waffenwirkung ist eine leistungsfähige Schutzanlage und eine Klimaanlage in das Fahrzeug eingerüstet worden.
Eigenverteidigung und Selbstschutz
Zur Eigenverteidigung führt der FENNEK eine unter Panzer- und ABC-Schutz bedienbare 40 mm Garantmaschinenwaffe von Heckler & Koch mit. Das neu entwickelte Waffensystem kann stehende oder bewegliche Weichziele bis zu einer Entfernung von rund 2.000 Metern mit Splitter-Sprengmunition bekämpfen. Die Waffe kann auf der elektrisch bedienbaren Lafette zu beiden Seiten um 360 Grad gedreht werden. Der Munitionsvorrat für die 40 mm Waffe beträgt 32 Schuß. Als Zieleinrichtung verfügt der Schütze über ein Periskop, welches aus dem eingeführten PERI Z 17 abgeleitet ist. Das PERI Z 17 kann bei Bedarf mit einer Nachtsichtoptik (BIV) ausgestattet werden. Ebenfalls kann auf die Lafette ein .50 Kaliber (12,7mm) Maschinengewehr montiert werden. Diese Bewaffnung führt der holländische FENNEK zur Eigenverteidigung mit.
LUCHS, FUCHS UND FENNEK
Über drei Nebelwurfbecher, die auf dem Dach des Spähfahrzeuges montiert sind, können zum Eigenschutz infrarotüberdeckende oder klassische Nebelgranaten verschossen werden. Die verwendeten Nebelgranaten ermöglichen eine sekundenschnelle Einnebelung des Fahrzeuges und seiner Umgebung und ermöglichen auf infrarotbasis arbeiteten Nachtsichtgeräten oder Technologien keine Ortung des Fahrzeuges mehr. Hinter dieser infrarotabsorbierenden Nebeltechnologie, die unter anderem von dem norddeutschen Unternehmen NICO angeboten wird, kann der FENNEK seine Position unerkannt und schnell verändern.
Export
Das Exportvolumen des FENNEK`S ist als sehr groß zu bezeichnen. Die internationale Nachfrage nach leistungsstarken und hochmobilen militärischen Aufklärungs- sowie Beobachtungssystemen hat in den letzten Jahren deutlich zu genommen. Dabei spielen die Leistungsparameter der Beobachtungsoptik, Datenübertragungsmöglichkeiten, Mobilität und Einbindung in vorhandene Aufklärungsstrukturen eine wesentliche Rolle. Der FENNEK bietet heute, aufgrund seiner technologischen Auslegung und seiner Einsatzparameter, eine wirkungsvolle Ergänzung zu den Aufklärungsfahrzeugen der Panzertruppe. Dies haben auch viele europäische Armeen erkannt, die einen Bedarf an neuen Aufklärungs-, Späh- und Beobachtungsfahrzeugen haben. Kaufinteresse an dem FENNEK hat bereits Belgien gegenüber dem Hersteller geäußert.
Technische Daten
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Granatmaschinenwaffe 40mm
Hohe Feuerkraft für die Infanterie
Zu den leichten Unterstützungswaffen der Infanterie gehörten bisher schwere Maschinengewehre mit dem Kaliber 50 oder tragbare, aber dennoch unhandliche, Granat- oder Minenwerfer in den Kalibern 60-80mm. Auch die an den Sturmgewehren angebauten Granatlauncher gehören zu den Unterstützungswaffen der Infanterie von heute. Wurde mehr Feuerkraft auf dem Gefechtsfeld benötigt, insbesondere bei einer starken Verzahnung von eigenen und gegnerischen Einheiten, mußten diese erst angefordert werden, was aber wiederum die Beweglichkeit der Truppe stark einschränkte.
Mit der militärischen Forderung nach einer immer höher werdenden Beweglichkeit der Infanterie, stärkerer Feuerkraft auf dem Gefechtsfeld und leichten neuen Feuerunterstützungswaffen mußten neue, transportable Waffensysteme geschaffen werden, die diesen Forderungen entsprachen. Dabei entschieden sich die militärischen Beschaffer oft für Granatmaschinenwaffensystemen, die Geschosse mit dem Kaliber 40mm und unterschiedlichen Gefechtsköpfen über eine Distanz bis zu 2.000 Metern verschießen können. Diese Waffensysteme sind technisch so ausgelegt, daß sie von zwei Soldaten zu transportieren sind oder sich auf einem Fahrzeug leicht montieren lassen. Die Feuerkraft von Granatmaschinenwaffen ist beachtlich. Zwischen 300 und 400 Schuß können in der Minute mit einer leistungsfähigen Waffe gegen stehende oder bewegliche Ziele verschossen werden. Die Munitionsarten, die dabei dem Soldaten zur Verfügung stehen, reichen von Hochexplosiv-, Panzerbrechenden- bis hin zu Splittergranaten.
Bereits gegen Ende der achtziger Jahre rückten leichte Infantrieunterstüztungswaffen in das Blickfeld der militärischen Beschaffer der Bundeswehr, um die Schlagkraft von Luftlandetruppen, Jägern oder Infanterieeinheiten deutlich zu erhöhen. Verwendung finden soll die Granatmaschinenwaffe auf dem neuen Aufklärungsfahrzeug FENNEK und dem GTK sowie auf anderen Bundeswehrfahrzeugen. Eine Kauflösung eines derartigen Waffensystems aus ausländischer Produktion kam für die Bundeswehr nicht in Frage. Bevorzugt wurde durch den Bedarfsträger eine nationale Eigenentwicklung.
Der Herausforderung einer nationalen Eigenentwicklung stellte sich das süddeutsche Traditionsunternehmen Heckler & Koch aus Oberndorf. Noch nie wurde vorher eine derartige Granatmaschinenwaffe durch einen deutschen Waffenhersteller entwickelt und gebaut. Mit der eigenfinanzierten Entwicklungentscheidung betrat Heckler & Koch Neuland auf diesem Gebiet.
Die Bundeswehr forderte ein Granatmaschinenwaffensystem, das über eine hohe Feuerkadenz, leichte Bedienbarkeit und Betriebssicherheit sowie eine ausbaufähige Zieloptik verfügte. Ferner sollte es leicht zu warten sein, störunempfindlich sein und über ein großes Wachstumspotential verfügen. Vorgesehen ist die Waffe als Unterstützungswaffe für Begleit- und Aufklärungsfahrzeuge. Nur in Ausnahmefällen sollte die Granatmaschinenwaffe durch zwei Soldaten im Feld für Unterstützungsaufgaben mitgeführt werden.
Als geeignete Kalibergröße wurde 40mm x 53 durch die Bundeswehr vorgegeben. Bekämpft sollen mit der Munition Punkt- und Flächenziele. Mit der 40mm Munition sollen sich gehärtete Stellungen, Unterstände, Fahrzeuge, Shelter, gegnerische Soldaten und Bereitschaftsstellungen noch auf einer Entfernung von rund 2.200 Metern zielsicher bekämpfen lassen. Dieses umfangreiche Anforderungsprofil bildete die Grundlage für die Entwicklung der Heckler & Koch Granatmaschinenwaffe, welche die Unternehmensbezeichnung GMW (Granatmaschinenwaffe) durch ihre Konstrukteure erhielt. Mit der Entwicklung der GMW für die Bundeswehr wurde 1992 in bei Heckler & Koch begonnen.
Besonders wichtig bei einem derartigen Waffensystem sind das einfache Handling und das Gewicht. Das Gesamtgewicht der Waffe konnte auf 29 Kilogramm reduziert werden, um eine einfache Handhabung für den Soldaten und eine leichte Montage an Fahrzeugen zu garantieren. Die auf einem Dreibein und im Schwerpunkt montierte Granatmaschinenwaffe läßt sich nach beiden Seiten leicht drehen. Die Dreibeinkonstruktion ist massiv ausgelegt, so daß die Waffe ein gutes Standvermögen aufweist und der beim Abschuß einer Patrone entstehende Rückstoßmoment gut aufgefangen wird. Die Standposition der Waffe ist so gut, daß aufgrund von Schußtests nachgewiesen werden konnte, daß Geschosse noch in 2.000 Metern Entfernung ihre Ziele mit höchster Genauigkeit treffen. Die Lafette ist zusammenlegbar und von einem Soldaten zu transportieren.
Die GMW ist kompakt konstruiert aber dennoch leicht bedienbar. Das wesentlichste Konstruktionsmerkmal der GMW ist die Zuführung der gegurteten 40mm HE Munition, die je nach Bedarf von links und rechts oder umgekehrt umgebaut werden kann. Dies kann durch den Schützen ohne zu Hilfenahme von Werkzeug geschehen. Der Hülsenauswurf erfolgt jedoch immer auf der rechten Seite der Granatmaschinenwaffe. Die Halterung für den us-standardisierten Stahlgurtkasten kann ebenfalls der Zuführseite entsprechend umgebaut werden. Der Stahlbehälter wiegt 20 Kilogramm und kann 32 Schuß aufnehmen.
Um die Waffe zu laden, wird der Verschluß mit Hilfe des am linken Ende der Waffe angebrachten Durchladegriffes in die Einstellung gebracht. Danach ist der Verschluß gespannt. Die Waffe ist gesichert, wenn der Deckel mit der Zuführeinrichtung geöffnet und die erste Patrone des Gurtes in die Sperrklinke des Zufuhrschachtes eingelegt wird. Nach dem Schließen des Deckels ist das GMW feuerbereit. Ein Sicherung-Feuerwahlhebel erlaubt Einzel- oder Dauerfeuer. Die Abfeuerung kann auf zwei Arten erfolgen: Fixiertes Richten mit Hilfe einer am Dreibein befestigten Höhen- und Seitenrichteinrichtung. Dabei wird die GMW über die beidseitig neben den Griffen am hinteren Waffenende angebrachten Abzüge abgefeuert. Eine andere Art des Schießens ist das freie Richten. Dabei hat der Schütze die Möglichkeit die Richteinrichtung der Waffe zu entfernen und die Waffe mit einem verstellbaren Führungsholm auf der linken Schulter zu richten. Die Hände des Schützen fassen die beiden, nahe der Waffenmitte angebrachten Führungsgriffe. Der Schuß wird mit Hilfe eines externen Abzuges, ähnlich einer Fardabremse, auf der rechten Seite abgefeuert. Da die Waffe nur noch in der Höhe und Seite frei beweglich ist, können wechselnde Ziele schnell erfaßt und bekämpft werden. Der Schütze kann somit individuell seine beste Abschußposition wählen. Die Visiereinrichtung der GMW stammt aus Norwegen und ermöglicht dem Schützen Punkt- und Flächenziele in 1.500 Metern zu treffen. Die mechanische Visiereinrichtung ermöglicht es noch auf 600 Meter ein Ziel zu bekämpfen. Eine Montage anderer Zieloptiken oder eines Nachtsichtgerätes ist bei Bedarf auf der GMW möglich. Die Treffgenauigkeit ist aufgrund des Standvermögens und der Konstruktion so genau, daß spätestens nach dem zweiten oder dritten Schuß ein Ziel getroffen wird. Bei Dauerfeuer verschießt der 1.124mm lange Rückstoßlader innerhalb einer Minute rund 350 Schuß. Der Nachladevorgang dauert auch für einen ungeübten Soldaten nur wenige Sekunden. Der massive und im Kaltschmiedeverfahren hergestelle Lauf der Granatmaschinenwaffe ist auf eine sehr lange Lebensdauer ausgelegt. Über einen Absteckbolzen kann dieser innerhalb weniger Sekunden durch den Schützen ausgetauscht werden.
Sicherheitseinrichtungen
Die Sicherheitseinrichtungen an der neuen 40mm Infanteriewaffe gelten als beispielhaft. Die Waffe verfügt über einen wirksamen Schutz vor Handverletzungen. Eine effektive Rücklaufsperre verhindert eine eventuelle Schußauslösung bei einer nicht korrekt durchgeführten Durchladebewegung des Schützen. Eine zusätzlich eingerüstete Schlagbolzensicherung verhindert eine vorzeitige Zündung der Patrone bei einem gebrochenen Schlagbolzen. Um die Sicherheit auch beim Dauerfeuer der GMW deutlich zu erhöhen ist eine Dauerfeuersicherung in der Waffe eingebaut worden. Diese verhindert beim Dauerfeuer bei einer gebrochenen Fangklinke das Verschießen des gesamten Gurtvorrates. Damit ist die Gefährdung eigener Soldaten oder Materials ausgeschlossen bei einer Funktionsstörung. Eine weitere Sicherheitseinrichtung verhindert bei einer Munitionszufuhrstörung, bei der der Verschluß im Vorlauf stehen bleibt, eine eventuelle Schußauslösung. Diese technischen Merkmale hat keine andere vergleichbare Waffe aus ausländischer Produktion und macht die GMW zu einer der sichersten Infanteriewaffensystme der Welt.
Funktionstüchtigkeit
Die Funktionstüchtigkeit der Waffe ist selbst unter erschwerten Zuständen geradezu verblüffend. In der Wüste von Arizona konnten die Entwickler von Heckler & Koch nachweisen, daß selbst unter heißen klimatischen Bedingungen und unter der
Einwirkung von Staub sowie Sand die GMW voll funktionstüchtig blieb. Dies gilt für die Betriebsarten des Einzel- und Dauerfeuers der Waffe. Bei Erprobungen bei extremer Kälte, im Schnee und Matsch in Norwegen erfüllte die Granatmaschinenwaffe 40mm alle militärischen Anforderungen. Bei Funktionsstörungen der GMW ist es möglich, die wichtigsten Bauelemente der Waffe ohne Werkzeug zu zerlegen. Durch diese technische Eigenschaft können langfristige Instandsetzungsfristen vermieden werden, die mit Spezialwerkzeug durchgeführt werden müssen. Die GMW soll zeitgleich mit der Beschaffung des Radspähpanzers FENNEK in die Truppe eingeführt und später auch auf anderen Fahrzeugen eingeführt werden.
Einsatzspektrum
Mit der neuentwickelten Granatmaschinenwaffe kann ein breites militärisches Spektrum abgedeckt werden. Das System eignet sich für den mobilen Einsatz als Primär- oder Sekundärwaffe. Eine Einrüstung der Granatmaschinenwaffe auf einem gepanzerten/ungepanzerten Fahrzeug, Booten und sogar auf Hubschraubern vom Typ Bell UH-1D, CH-53 G oder einem NATO-Hubschrauber 90 ist technisch problemlos möglich. Es reicht für die GMW die Einrüstung einer herkömmlichen MG-Lafettierung für ein Kaliber 50 Maschinengewehr in einem Hubschrauber.
Ein stationärer Einsatz in ausgebauten Feldstellungen oder aus Gebäuden heraus ist ebenso möglich. Für das Einsatzspektrum von nur leicht bewaffneten Einheiten wie Jägerbataillonen oder Fallschirmjägern bildet die Granatmaschinenwaffe aufgrund des relativ geringen Gewichts, der leichten Handhabung und den Leistungsparametern eine wirksame Ergänzung zu den bereits eingeführten Waffensystemen. Interessant dürfte das Einsatzspektrum der Waffe auch auf den Luftlandefahrzeugen WIESEL 1 und WIESEL 2 sein. Beide gepanzerten Kettenfahrzeuge können die Granatmaschinenwaffe 40mm aufnehmen. Die damit verbundene Eigenverteidigungsfähigkeit des Fahrzeuges gegen gegnerische Kräfte würde entsprechend steigen. Eine Schnittstelle an der Waffe garantiert, daß die Granatmaschinenwaffe auf alle Lafetten, die durch ein US-Maschinengewehr mit dem Kaliber 50 genutzt werden, kompatibel ist. Ein kostenträchtiger Umbau der Waffe ist dadurch nicht erforderlich. Die sich daraus ergebenden Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten der Granatmaschinenwaffe 40mm in anderen NATO-Staaten oder befreundeten Streitkräften sind größer als bei anderen vergleichbaren Waffensystemen, die auf dem internationalen Markt angeboten werden. Bereits heute schauen eine Reihe von NATO-Staaten auf diese wirksame und hochmoderne Waffensystem der Infanterie der Bundeswehr und bekundeten bereits beim Hersteller Heckler & Koch deutliche Kaufabsichten.