Visierung

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Beim Gewehr G36 wurde ein für Militärgewehre völlig neues Visierkonzept realisiert.
Umfangreiche praktische Schießversuche haben ergeben, dass die Treffgenauigkeit mit optischen Visieren vor allem bei weniger geübten Schützen sehr viel höher liegt als mit mechanischen Visieren.

Des weiteren ist ein optisches Visier Voraussetzung für ein Bildverstärkergerät, das auf der Waffe adaptiert werden kann. Die optische Visiereinrichtung besteht aus zwei Einheiten, die beide in den Tragbügel integriert sind. Als Visier für den schnellen, gezielten Schuss wurde ein Kollimator-Visier ( Bild 1, obere Visiereinheit) mit einer Abbildung von 1:1 verwendet und kann im Einsatz bis ca. 200 m eingesetzt werden.

Die Besonderheit liegt darin, dass in dieses Visier ein roter Lichtpunkt als Zielmarke eingespiegelt wird. Durch die technische Ausführung des Gerätes wird der Lichtpunkt durch das einfallende Tageslicht, oder bei nicht mehr ausreichenden Lichtverhältnissen, durch eine aufschaltbare Energiequelle (Batterie) erzeugt.

Das einfallende Tageslicht wird über einen Lichtsammler aufgenommen. Das Licht wird gezielt weitergeführt und beleuchtet eine Blende. Der dadurch entstehende Lichtpunkt wird über die Frontlinse in das Auge des Schützens projiziert. Die Frontlinse ist mit einem Kantenfilter versehen, der den roten Spektralbereich des weißen Lichtes reflektiert, während der blaue und grüne Bereich durchgelassen wird.
Bild 2
Die Helligkeit des Lichtpunktes wird den Lichtverhältnissen im Einsatzgebiet über einen Photo-Sensor automatisch angepasst. Bei schlechten Kontrastverhältnissen kann die Helligkeit des Lichtpunktes manuell und kurzzeitig maximiert werden. Eine integrierte Zeitschaltung veranlasst die Rückschaltung der Beleuchtungsstärke des Lichtpunktes in den Standardbetrieb. Dies dient der Energieersparnis. Die Kapazität der Batterie ist für einen Dauerbetrieb von ca. 36 Stunden ausgelegt.

Vorteilhaft wirkt sich aus, dass durch die 1:1-Abbildung ein beidäugiges Beobachten des Gefechtsfeldes sowie ein beidäugiges Schießen mit dem Kollimator-Visier möglich ist. Im Bild 2, obere Visiereinheit, sieht man die geöffnete Kollimatorabdeckung, um den Leuchtpunkt mittels Tageslicht zu erzeugen

Das Zielfernrohr (ZF) ist, mit dreifacher Vergrößerung (ZF 3x4°), für den präzisen Schuss auf größere Entfernungen ausgelegt. Das ZF ist unterhalb vom Kollimator-Visier angeordnet (Bild 1 und 2, untere Visiereinheit). Das ZF besteht aus den optischen Komponenten Objektiv, Strichbildlinse, Umkehrsystem und Okular. Das Gewicht dieses Zielfernrohres beträgt durch die Besonderheit der verwendeten Materialien (glasfaserverstärktes Polyamid) lediglich ca. 30 g. Die Linsen sind wie bei einem klassischen Zielfernrohr aus optischem Glas gefertigt. Bei 1000 m Entfernung beträgt das Sehfeld 70 m.
Bild 3

Legende

1 Seitenvorhalt links
2 Fadenkreuz
3 Zielkreis
4 Seitenvorhalt rechts

5 Aufsatzwert 200m
6 Aufsatzwert 400m
7 Aufsatzwert 600m
8 Aufsatzwert 800m
9 Schätzmarken für
E=200 bis 800m

Das auf der Strichbildlinse aufgebrachte Strichbild (Bild 3) enthält einen Zielkreis, dessen Innendurchmesser einer Mannhöhe von 1,75 m bei einer Entfernung von 400 m entspricht und des weiteren Entfernungsmarken von 200 bis 800 m in 200-m-Schritten. Die Außenränder des Zielkreises sind gleichzeitig Vorhaltemarken für seitliche Zielbewegung bei einer Entfernung von 200 m und einer Zielgeschwindigkeit von ca. 7,5 km/h des anvisierten Objektes.

Die im Strichbild abgebildeten Entfernungsmarken sind Schätzmarken für Zielentfernungen von 200, 400, 600 und 800 m. Die senkrechten Linien der Haltemarken für 600 und 800 m entsprechen der Mannhöhe von 1,75 m bei der jeweiligen Entfernung.

Die Standardjustierung der Visiers erfolgt auf 200 m Entfernung über eine Rasterung in Höhe und Seite.